Wie wir auf Stoffwindeln kamen [Gastbeitrag]

By | 2017-03-07T20:14:34+00:00 Juli 18th, 2016|Categories: Allgemein|2 Comments

Oder: Mut zum (späten) Umstieg

Diesen Betrag hat Sara Bockkom geschrieben, Mutter von Fynn und gute Freundin.

Ich freue mich sehr auf dem tollen Blog hier von Raik einen Gastartikel veröffentlichen zu dürfen. Ich möchte euch hier gerne Mut machen, euch erzählen warum wir erst spät auf Stoffwindeln kamen und warum es sich immer lohnt umzusteigen.

Wir schreiben das Jahr 2015, Fynn ist vor wenigen Monaten 1 Jahr alt geworden und wurde bis dato immer mit Wegwerfwindeln gewickelt. Ich gebe zu wir haben schon wesentlich früher, in Fynns ersten Lebensmonaten, mal was von Stoffwindeln gehört aber irgendwie war eine zu große Skepsis da.

Wir dachten wohl genauso wie es viele anfangs tun,

Das kann nicht günstiger sein bei den Anschaffungskosten

Das ist unhygienisch

Ich will so was nicht in meiner Waschmaschine

und überhaupt warum Stoffwindeln, wenn es doch in jedem Laden mittlerweile Wegwerfwindeln zu kaufen gibt.

Rückblickend weiß ich gar nicht mehr warum ich so skeptisch war. Der Umstieg war definitiv das beste was wir hätten tun können.

Es war Januar 2015, wir waren auf einem monatlich stattfindenden Tragetreffen und kamen dort auch auf das Thema Stoffwindeln. Fynn war damals gerade 15 Monate alt.
Plötzlich war ich irgendwie fasziniert. Diese bunten Designs waren einfach niedlich.

Und irgendwie hatte sich mein Denken verändert. Plötzlich lag mir die Umwelt wesentlich mehr am Herzen und ich hatte viel mehr Interesse an diesen Themen als vorher.

Nun ja ich ging Heim und dachte noch den ganzen Tag darüber nach warum ich Stoffwindeln immer so viel Skepsis entgegen brachte. Vielleicht wusste ich einfach nicht wie sehr Wegwerfwindeln eigentlich nach Chemie stinken da es für mich total normal war. Vielleicht wusste ich nicht das man auch bei Wegwerfwindeln und einem sehr agilen Kind mal im wahrsten Sinne des Wortes in die Scheiße greifen kann ;-) Es war alles so selbstverständlich mit Wegwerfwindeln da es heutzutage fast jeder nutzt.

Aber eigentlich ist es schon erschreckend wie viel man jährlich dafür ausgibt und wie viel Müll man produziert. Ich konnte nicht aufhören an Stoffwindeln zu denken und begann mich im Internet schlau zu lesen. Dank zahlreicher Social Media Gruppen, Videos und Blogs erhielt ich unglaublich viele Infos. Nicht zuletzt auch durch das Mut machen der Trageberaterin entschied ich mich dazu es mit den Stoffwindeln doch mal zu probieren. So kaufte ich 2 Blueberry Capri Überhosen, fuhr zum Drogeriemarkt und kaufte Waschmittel und kaufte beim bekannten Schweden einige der im Internet so hochgelobten Handtücher und Waschlappen als Saugmaterial. Und plötzlich erlebte ich im Freundeskreis so was wie einen Stoffwindel Boom, mit einmal war das Thema in aller Munde und jeder wollte mitreden und einige testeten es selbst.

Ich ging voller Elan an die Sache ran und war so begeistert. Ich verstehe bis heue nicht warum ich es nicht eher getan habe.

Die Windeln hielten. Klar gab es zu Anfang auch mal einen Unfall, man musste ja erstmal herausfinden wie viel Saugeinlagen man so braucht aber das kam vielleicht 3x vor und dann lief es wie am Schnürchen.

Mein Mann war anfangs nicht wirklich überzeugt, für ihn war es so ein Öko Ding womit er nix zu tun haben wollte. Irgendwann versteckte ich die Wegwerfwindeln und somit musste er mit Stoffwindeln wickeln. Dadurch stellte er fest, dass es eigentlich nix anderes ist außer das die Windeln nun in die Wäschetonne statt in den Mülleimer kamen. Schon nach wenigen Wochen stellten wir fest wie schlimm Wegwerfwindeln eigentlich nach Chemie stinken. Bald zogen monatlich mehr Stoffwindeln bei uns ein und der Wickeltisch wurde immer bunter. Das wickeln mit diesen tollen bunten Windeln machte sogar Spaß und Fynn durfte natürlich auch aussuchen welche Windel er gerne wollte, so war auch er entspannter und ließ sich ohne zappeln wickeln.

Nur Nachts trauten wir uns irgendwie nicht so recht. Naja ich dachte dann entweder ganz oder gar nicht und deckte uns mit ein paar Nachtwindeln ein. Leider hinterließ die Überhose oft fiese Abdrücke. Dank Kathi, Raiks wunderbarer Frau, kamen wir dann auf Wolle als Überhose. Und was soll ich sagen, es war super. Selbst bei Neurodermitis gab es keine Probleme.

Alles hielt ohne Probleme 12-14 Stunden Schlaf und ab und an sogar noch 150-300 ml Milchnahrung oder Wasser aus. Fynn war morgens nicht von oben bis unten Nass, bei Wegwerfwindeln erlebten wir dies leider immer mal wieder.

Unsere Sammlung an Stoffwindeln wuchs stetig weiter. Wir hatten verschiedene Systeme und Hersteller und kamen mit allem gut zurecht.

Ich war restlos überzeugt und kann nun, 1 Jahr später, sagen  Ich würde immer wieder auf Stoffwindeln umsteigen.

Mittlerweile empfehle ich jedem in meinem Freundes- und Bekanntenkreis und in den Social Media Netzwerken den Stoffwindeln eine Chance zu geben.

Mit 2 Jahren und 4 Monaten im Februar diesen Jahres wollte Fynn dann ganz plötzlich keine Windel mehr. Es ging von jetzt auf gleich und er war trocken. Nur sehr selten, wenn er ins spielen vertieft war, passierte in den ersten 4 Wochen ein kleiner Unfall. Das war aber kaum der Rede wert. Als dann ende März auch Nachts die Windeln trocken blieben ließen wir auch Nachts die Stoffwindeln weg. Ich war erstaunt das es so zuverlässig von jetzt auf gleich kam mit dem Trocken werden. Ich hielt dies immer für ein Ammenmärchen.

Im übrigen hatten wir nie Töpfchentraining oder ähnliches. Er durfte einfach mit uns ins Bad und fragte aus Neugierde von alleine was wir da so machen aber zeigte kein Interesse daran. Wir ließen ihn, in dem Glauben das er uns signalisieren wird wenn er soweit ist trocken zu werden. Und das tat er ja dann auch.

Nun warten die Windeln alle frisch gewaschen und gut verpackt im Schrank. Wir wollen definitiv noch ein getragenes Stoffybaby – nur wann genau das steht in den Sternen ;-)

Ich kann jedem nur sagen: Habt Mut und versucht es. Gebt den Stoffwindeln eine Chance. Der Umwelt zuliebe, der Haut zuliebe und einfach weil Stoffwindeln überhaupt nicht Öko und Altmodisch sind.

Es gibt auch tolle Mietpakete oder Testpakete womit man erstmal testen kann ob Stoffwindeln zu einem passen und vor allem welches System man bevorzugt.

Auch das Waschen ist kein Hexenwerk. Alles in die Maschine (Stuhlgang wird auf einem Vlies aufgefangen und vorab im Müll oder Klo entsorgt), kurz spülen und dann Waschmittel dazu und die Waschmaschine ihre Arbeit tun lassen. Auf der Leine trocknet alles selbst im Winter innerhalb von 24-48 Stunden problemlos.

 

About the Author:

Ich bin Vater von 2 Kindern, Inhaber von saler.it, Blogger und Administrator bei der Talanx. Fragen? Sprecht mich an :)

2 Comments

  1. HalloFrauStoffie 9. September 2016 at 20:36 - Reply

    Danke, liebe Sara, für diesen schönen Erfahrungsbericht! Toll geschrieben :-)

    Ich liebe es immer, zu lesen, wie die einzelnen Eltern auf Stoffwindeln kommen und wie begeistert sie dann alle Vorurteile über Bord werfen. Uns ging es ganz ähnlich: Erst waren wir skeptisch, aber dann waren (und sind) wir immer noch Feuer und Flamme und es zogen immer mehr Stoffies bei uns ein. Irgendwie macht das schon in gewissem Maße süchtig…

    Leider kenne ich keine einzige Mutter persönlich, die mit Stoff wickelt. Dadurch bin ich immer überall eine Exotin und werde mit verschiedensten Kommentaren konfrontiert. Viele sind überrascht und sagen zum Beispiel etwas wie „Das sieht ja niedlich aus und wenn man noch was für die Umwelt tut…wow!“. Zuletzt hatte ich ein Erlebnis mit einer Kollegin, die noch keine Kinder hat, aber einer anderen Kollegin, die ein Kind bekommen hatte, eine Windeltorte bauen wollte. Natürlich aus WWW. Ich sagte dann, dass sie mir das nicht hätten schenken brauchen….sie war völlig irritiert und als ich ihr von unseren Stoffies erzählte, war sie völlig angewidert und meinte „Oh mein Gott, das ist ja total unhygienisch und widerlich. Und dann muss man das auch noch anfassen. Man kann sich das Leben ja auch selbst schwer machen.“ Nun ja…ich persönlich finde es unhygienischer, das große Geschäft in einem Eimer aufzubewahren, als es einfach in der Toilette zu entsorgen. Und jeder, der mal den Geruch eines WWW-Eimers und den einer Stoffie-Tonne vergleicht, wird mir zustimmen, dass die Stoffie-Tonne doch deutlich besser wegkommt…gut, wirklich duften tun keine der beiden Kandidaten. Und ich mache mir das Leben doch soooo viel leichter mit Stoffies! Ich spare mir den wöchentlichen Windeleinkauf, das Recherchieren nach der x-ten Po-Creme, weil schon wieder alles wund ist…ich spare Geld, Zeit, Nerven….Und falls ich doch mal neue Stoffies brauche, bestelle ich sie schwupps online und fertig.
    Alles in allem finde ich es einfach klasse, wie Du Deine Erlebnisse beschrieben hast. Auch die Erfahrungen mit dem Trocken werden finde ich äußerst spannend…in dieser Stufe sind wir noch nicht, aber wohl bald. Mal sehen, vielleicht läuft es ja ähnlich wie bei Euch.

    Danke für den Bericht und liebe Grüße!

  2. LaPallina 22. Februar 2017 at 21:34 - Reply

    Hallo Sara
    Wir versuchen mit unserer 15 Monate alten Tochter auch gerade den Umstieg auf Stoffwindeln und sind verschiedene Systeme am testen. Leider findet sie es gar nicht toll plötzlich diese dicken Dinger am Po zu haben wo es doch die dünnen WWW gibt. Sie weint beim Wickeln und will die Stoffwindel sofort wieder ausziehen. Wie hat das euer Fynn aufgenommen? Gab es keinen Protest von seiner Seite? Ich lasse sie auch immer eine Windel aussuchen aber anziehen will sie die dann trotzdem nicht. Hast du ev. noch weitere Tips wie man einem Kleinkind Stoffwindeln schmackhaft machen kann?

    Vielen Dank für’s Teilen deiner Erfahrungen und liebe Grüsse!

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